Erbgänge beim Kanarienvogel

Bewußt wählte ich hier diesen Titel, da ich an die Tradition der Sechziger Jahre anknüpfen will, Erbfaktoren mit Symbolen zu belegen und deren Erbgang aufzuzeigen. Die beiden von mir beschriebenen Mutationen sind meines Wissens noch nirgendwo in dieser Weise abgehandelt worden, deshalb sind diese Aufsätze also noch berechtigt.

1. Die Phaokanarien

Die Phaeofarbe trat erstmals in einem belgischen Zuchtstamm 1964 durch Mutation auf. Hierbei handelt es sich um einen Faktor, der die Melanine, die bei Farbkanarien des wildfarbenen Typus (=Schwarzreihe) aus sandgelben Phaeomelaninen, braunen Eumelaninen und schwarzen Eumelaninen bestehen, auf die Phaeomelanine reduziert. Durch diesen teilweisen Pigmentwegfall haben Phaeos, je nach Farbgruppe verschieden hell, rote Augen. Hierbei scheint die Farbe des Blutes durch die Netzhaut hindurch. Der Name"Phaeo" für Vögel dieser Farbe ist deshalb gewählt worden, da wie gesagt nur Phaeomelanine gezeigt werden.

Es ist allerdings denkbar, daß die Phaeos doch noch einen kleinen Rest von schwarzen Eumelaninen besitzen, dies würde die unterschiedliche Wirkung des Phaeofaktors auf die Vögel der Farbgruppe 2 (Schwarzvögel) und 4 (Braunvögel) erklären. Solange aber diese These nicht exakt nachgewiesen ist, können wir getrost davon ausgehen, daß der Phaeofaktor in der obigen Weise genügend erklärt ist.

Der Phaeofaktor wirkt sich auf Grund der Melaninverhältnisse, die in den einzelnen Farbgruppen verschieden sind, in diesen Farbgruppen unterschiedlich aus. Deshalb muß bei einer Beschreibung des Aussehens, jede Farbgruppe für sich behandelt werden.

 

Phaeo der Schwarzreihe

Die Zeichnung der Schwarzphaeos ist wie bei den klassischen Melaninvögeln als Strichelung auf dem Rücken und an den Flanken erkennbar. Das gesammte Großgefieder ist melanindurchsetzt und hat eine sandbraune Farbe. Das Untergefieder ist Anthrazit.

 

Phaeo der Achatreihe

Hier ist keine Melaninzeichnung mehr zu erkennen, der Vogel gleicht im Sichtbild einem aufgehellten Vogel, nur im Untergefieder ist ein Melaninrest, der grau gefärbt ist, erkennbar. Nur die weißgrundigen Achatphaeos lassen eine ganz geringe, als "Was»rzeichnung" bekannte Rückenzeichnung bei einem bestimmten Lichteinfall angedeutet erkennen. Allgemein werden die Achatphaeos zu den aufgehellten erscheinenden Melaninkanarien gezählt und dort bewertet.

 

Phaeos der Braunreihe

Die Braunphaeos zeigen anstelle der klassischen Rückenstrichelung eine Schuppung. Hierbei sind die Federn des Rückens hell mit einer Melaninsäumung. Das Großgefieder ist ebenfalls hell und besitzt einen dunklen Rand. Das Untergefieder ist beige.

 

Phaeos der Isabellreihe

Hier gilt das gleiche, wie schon zu den Achatphaeos gesagt worden ist: sie gleichen mehr oder weniger den aufgehellten Farbenkanarien. Ebenso wie bei den Achatphaeos weist ihr Untergefieder noch einen Rest von Melanin auf, der hier hellbeige gefärbt ist.

 

Alle Phaeos besitzen helle Hornteile. Die Eigenart, daß die Weibchen mehr Melanin aufweisen als die Hähne, ist bei den Phaeokanarien ausgeprägter als bei den anderen Melaninkanarien.

Schon recht früh, nachdem sich diese neue Farbe ausgebreitet hatte, erkannte man, daß das verantwortliche Gen für ,Phaeo" frei und rezessiv vererbt wurde. Dieses und das Gen für.Opal sind bisjetzt die einzigen frei vererbenden Gene, die sich auf die Melanineigenschaft auswirken. Bis jetzt gibt es noch kein Symbol für Phaeo, weshalb ich hier vorschlagen möchte, die Kombination „Pb“ zu nehmen. „Pb“ steht hierbei als Abkürzung für „die Vögel zeigen nur noch Phaeomelanin braun“. Mit dem Gebrauch dieser Buchstabensymbole wird zweierlei ausgedrückt:

 

a)         pb (Phaeo) ist rezessiv gegenüber Pb (normal);

b)        der Vogel mit der Kombination pbpb zeigt nur die Phaeomelanine.

Es gibt demzufolge dreierlei Genkombinationsmögllchkeiten:

PbPb = reinerbig mit vollen Melaninen, der Farbgruppe entsprechend

Pbpb = mit vollen Melaninen, der Farbgruppe entsprechend, aber spalterbig in phaeo

pbpb = reinerbig phaeo, wobei das Aussehen von der Farbgruppe, wie oben beschrieben, abhängt.

Diese Genkombinationen sind sowohl im männlichen als auch im weiblichen Geschlecht möglich, da ihr Sitz nicht in den X-Chromosomen (Geschlechtskernschleifen) zu suchen ist, weil, wie gesagt, die Eigenschaft „Phaeo“ frei und rezessiv vererbt wird. Deshalb können auch in dem beigefügten Vererbungsschema Hahn und Henne ausgetauscht werden, d. h., es kann die reziproke Kreuzung vorgenommen werden.

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