Onyx - Praktische Erfahrungen mit einer neuen Farbe
In den letzten Monaten ist eine wahre Flut von Artikeln über unsere jüngste
Kanarienfarbe onyx erschienen, die trotz vielerlei guten Ansätzen an
praktischem Nutzen wenig bringt. Vor allem ist es für den Züchter nicht
hilfreich, wenn die eigene Meinung über das eventuelle Aussehen einer neuen
Farbe als das Dogma schlechthin verkündet wird. Auch die recht pauschal
geäußerte Vermutung mancher Betrachter, es seinen viele schlechte Vertreter
von onyx angeboten, bedarf sicher der Kurskorrektur.
Fest steht, daß in allen benachbarten Ländern eine eindeutige Festlegung noch
nicht getroffen ist, auch wenn dies immer wieder suggeriert wird. Wir sehen die
Beschreibungen von Belgien, den Niederlanden und von Italien zum Teil diametral
gegensätzlich formuliert. Ein Jahr nach der internationalen Anerkennung kann
dies auch nicht anders erwartet werden, denn die Expertenrunden der C.O.M. tagen
in recht weitläufigen Zeitabständen, und im letzten Jahr wurde eine solche
für Farbenkanarien nicht einberufen. Ich halte es auch zum momentanen Zeitpunkt
für richtig und sogar förderlich, wenn eine restriktive Beschreibung nicht zum
jetzigen Zeitpunkt erfolgt, denn trotz vieler Ansätze ist eine deutliche
Klärung zur Wirkungsweise des onyx-Gens nicht gefunden. Und solange dies der
Fall ist, sollte man sich züchterisch alle Optionen offen lassen, bevor man
durch strenge Selektion irgendwelche Strömungen für immer ausmerzt. Somit ist
das Abmahnen von "international anerkannten Anforderungen" ohne
praktischen Bezug. Außerdem ist der neue Text im neuen C.O.M.-Standard
Farbenkanarien alles andere als aussagekräftig. Nationale Nuancen sind daher
nicht zu vermeiden (wie auch in vielen anderen Farben und Rassen, deren
Aufzählung an dieser Stelle den Rahmen sprengen würde).
Ende der achtziger Jahre trat zum ersten Mal in Spanien (näheres hierzu siehe
Bericht von P. Pütz, Kanarienfreund 46, Jahrgang 1993, S. 263-267) die bisher
letzte spektakuläre Mutation beim Farbenkanarienvogel auf. Sie überraschte aus
mehreren Gründen. So zeigten die Mutanten eine Melaninfarbe, die dunkler
erschien als bei den bislang dunkelsten Schwarzvögeln. Benannt ist die Mutation
(wie einige andere Melaninmutanten auch) nach einem Halbedelstein, der Onyx
heißt.
Onyx ist ein Halbedelstein, der, schwarz-weiß gebändert, zur Achat-Gruppe gehört. Sein feinschichtiger Aufbau besteht aus dünnen Lagen Kieselsäure in wechselnder Färbung.
In den bisherigen Berichten ist viel über die Entstehung und über die
Wirkungsweise der Mutation nachgedacht und gemutmaßt worden. So gibt die
offizielle Dokumentation des spanischen Verbandes zur Anerkennung auf
internationaler Ebene erneut an, es handele sich nicht um eine
"klassische" Mutation, sondern um eine "Genintroduktion",
also eine Übertragung eines fremden Gens auf den Kanarienvogel. Sehr ungenau
ist dabei die Herkunft, wenn diese Dokumentation nur eine "Girlitzart"
ohne genaue Artangabe nennt. Wer sich etwas bei den Girlitzen und Zeisigen
auskennt, kann diese Hypothese aber schnell widerlegen. Alle Girlitz- und
Zeisigarten haben als Wildvögel unter anderem schwarzes unverdünntes Melanin
neben - wenn überhaupt - wenigem bräunlichen Melanin. Bislang zeigte jeder
Mischling mit einem Kanarienweibchen als ein Elternteil den ursprünglichen
Schwarzvogelhabitus. Als "Mischlingsprodukt" wäre auch die Erzeugung
dieser Mutation beliebig reproduzierbar, was aber eindeutig nicht gegeben ist.
Was soll nun diese Mutation onyx bewirken?
Es wird erklärt, daß onyx zum einen das braune Phaeomelanin nicht mehr bildet
und zudem noch eine Vermehrung des schwarzen Eumelanins auftritt. Man spricht
sogar davon, daß die Menge des Eumelanins mehr als verdoppelt ist, weil das
Phaeomelanin in Eumelanin umgewandelt wurde. In manchen Publikationen wird von
einer "Transformation" geredet. Wie bei allen diesen Theorien fehlt
der biochemische Beweis, denn allein die Form der Melaninkörnchen ist nicht
maßgebend, sondern deren chemisches Verhalten. So sind die beiden uns bekannten
Melaninsorten (phaeo- und Eumelanin) zuerst einmal durch ihre chemische
Zusammensetzung definiert. Eumelanin ist "rein", Phaeomelanin ist
zusätzlich noch mit einer Aminosäure verbunden. Dies ergibt im Reagenzglas
dann auch die unterschiedliche Reaktion auf Lösungsmittel. Zum Leidwesen der
Kenner ist es nun so, daß licht- und auch elektronenmikroskopisch zwar
unterschiedliche Körnerformen erkennbar sind, die Zuordnung entgegen vielfachen
Vermutungen aber leider nicht eindeutig ist. Eine klare wissenschaftlich
untermauerte Aussage werden wir deshalb sicher nicht erhalten, denn
Untersuchungen hierzu sind aufwendig und entsprechend teuer, für die
Wissenschaft jedoch mit geringem Nutzen versehen.
All diese Theorien erscheinen mir wie die Diskussion um "des Kaisers neue
Kleider". Viele reden mit, aber es ist nicht möglich, die wahren
Sachverhalte zu erkennen und zu ergründen.
Diese sind aber auch im täglichen Leben des praktizierenden Züchters
vollkommen irrelevant. Mit einer noch so perfekt gearteten Gewißheit um die
Wirkungsweise eines Gens haben wir immer noch nichts für den praktischen Bezug
zur Vogelzucht getan. Deshalb möchte ich die Aufmerksamkeit auf das lenken, was
wir wahrnehmen. Und dies ist, daß der schwarz onyx wesentlich dunkler wirkt als
der klassische schwarze. Dies ist jedoch m. E. eine ‚optische Täuschung',
denn in Wirklichkeit ist das Großgefieder etwas heller als das der klassischen
schwarzen, nämlich nur anthrazitschwarz. Die Farben wirken insgesamt nicht so
leuchtend wie beim klassischen Vogel.
Spätestens bei der Übertragung des onyx-Faktors auf achat sehen wir ein
gänzlich anderes Verhalten. Der achat onyx ist deutlich heller als der
klassische achat. Nun dürfen wir annehmen, daß ein und dasselbe Gen nicht
einmal eine Melaninzunahme und einmal eine Melaninabnahme veranlaßt - das wäre
ein Verkennen von genetischen Grundlagen. Deshalb dürfen wir davon ausgehen,
daß onyx tatsächlich eine erste Form einer reduzierten Melaninablagerung
bedeutet.
Seit einigen Jahren weiß man, daß onyx gegenüber den klassischen Melaninen
rezessiv vererbt, und daß das Gen auf einem Autosom (also nicht X- oder
Y-Chromosom) liegt. Interessant ist es, wenn man einen onyx mit einem opal
Kanarienvogel verpaart. Die gesamte Nachzucht zeigt ein Erscheinungsbild, das
ziemlich exakt zwischen beiden Ausgangsfarben liegt. Deshalb spricht man auch in
diesem Falle von einem intermediären Erbgang. Etwas vereinfacht kann man
formulieren, daß die Träger von einem opal- und einem onyx-Gen "sichtbar
spalterbig" für beide Mutationen sind. Wir bleiben jedoch bei der
Formulierung des intermediären Erbganges.
Dieses Verhalten ist ein weiterer Grund, an der Herkunftstheorie
"Mischling" zu zweifeln. Wie schon erwähnt, müßte dann die
Nachzucht eines opalfarbenen Kanarienvogels mit dem entsprechenden Wildvogel
genauso reproduzierbar aus intermediären Tieren bestehen. Einen solchen Fall
hat aber noch kein Züchter beschrieben.
Inzwischen wird von wenigen Züchtern auch die Theorie der Allelie angezweifelt.
Es werden diverse Verpaarungen und deren Ergebnisse genannt, die einen
eigenständigen Genort annehmen. Wenn man aber die Ergebnisse prüft und
bewertet, kommt man schnell zu dem Schluß, daß diese Ergebnisse genau die
Theorie der Allelie untermauern. Hierzu gibt es auch einen ganz schlichten
Beweis.
Analysieren wir einmal beide Theorien.
Hypothese A: opal und onyx sind nicht allel. Dann ist die
logische Konsequenz, daß opal und onyx auf zwei unterschiedlichen Genorten
beruhen. Hierbei ist eine Kombination zwischen beiden Mutanten möglich.
Ausgang sei eine Verpaarung onyx x opal. Nach den allgemein gültigen Regeln
(Mendels Erste Regel) ist die Nachzucht einheitlich zu erwarten, und da es ja
nicht-allele Gene sein sollen, muß die Nachzucht in klassischem Melanin
ausfallen.
Aus dieser Verpaarung wählen wir wiederum zwei Vögel, die wir miteinander
verpaaren (und somit für beide Mutationen spalterbig sind, also jeder Vogel nur
1 Gen für opal und 1 Gen für onyx besitzt). Dann haben wir hier den
klassischen Fall des dihybriden Erbgangs vor uns, den bereits Mendel in seiner
Dritten Regel beschreibt.
Ergebnis der zweiten Generation muß demnach eine Rekombination (siehe Mendel)
sein, die zum einen die Zusammenführung beider Faktoren auf einen Vogel ergibt,
zum anderen aber klar auch nicht-opal-nicht-onyx-Vögel hervorbringt. Diese
müssen nicht nur phänotypisch, sondern auch genotypisch klassische Melanine
zeigen.
Sollten wir andere als klassische Melanine in der F1 erhalten, kann diese
Hypothese nicht gehalten werden. Das Auftreten uniformer und ‚wildfarbener'
Nachzucht ist unabdingbar mit der Annahme verknüpft, daß es sich um
unabhängige nicht-allele Gene handelt.
Nun wissen wir aber aus der Praxis, daß diejenigen Vögel, die jeweils ein Gen
für onyx und für opal besitzen, eine ganz charakteristische Färbung zeigen,
was wir als intermediär (zwischen onyx und opal) bezeichnen.
Somit kommen wir zur Hypothese B: opal und onyx sind Allele desselben
Genortes. Der Beweis hierzu ist bereits oben erbracht: Zum einen ist die
uniforme F1 wie beschrieben intermediär. Alleine das wäre schon Beweis genug,
denn dominant-rezessives bzw. intermediäres Verhalten von Genen bezieht sich
immer nur auf Gene desselben Genortes, die somit als Allele gekennzeichnet sind.
Gehen wir aber noch eine Generation weiter. Verpaaren wir nun solche
intermediären Vögel (zur Wiederholung: dies sind diejenigen Vögel mit einem
Gen für opal und einem Gen für onyx), erhalten wir genau drei unterschiedliche
Phänotypen-Klassen: erstens opal, zweitens intermediär, drittens onyx. Wir
erhalten aber auch nichts mehr, alle Nachkommen lassen sich in diese drei
Kategorien eingliedern!
Was könnte nun einen Züchter dazu verleiten, trotzdem anzunehmen, es handele
sich nicht um Allele? Dazu soll ein klein wenig ausgeholt werden.
Wie immer zu Anfang neu aufgetretener Mutationen wird sehr viel experimentiert.
Mutanten werden an eine Vielzahl unterschiedlicher Farben gepaart, die beileibe
nicht alle den Standardnormen entsprechen. Schließlich will man ja ein
uneingeschränktes Bild erhalten und nicht schon durch die Vorauslese seine
Wahrnehmungen blockieren.
Bei unterschiedlichen Ausgangsvögeln bleibt aber eine gewaltige Streubreite in
der Nachkommenschaft nicht aus, ja: sie ist sogar zu erwarten. Dies aber leitet
manchen Züchter zur falschen Annahme, daß damit gleichzeitig auch
unterschiedliche Klassen an genetisch differenzierten Nachkommen festgestellt
werden könnten. In Wirklichkeit sind dies nur die unterschiedlichen
Ausprägungen derselben genetisch einheitlichen Klasse.
Genau das war es auch, was ich bereits im ersten Jahr der praktischen Zucht mit
onyx feststellte.
Verlassen wir hier den trocken theoretischen Teil und wenden uns der Praxis zu.
Als ich 1997 das erste Paar mit onyx-Faktor erwerben konnte, bestand dieses
leider nur aus einem schwarzgelben Weibchen, spalterbig in onyx, und einem
schwarzgelben intermediären Männchen. Dies war somit in etwa das 10. Zuchtjahr
nach dem Auftreten dieser Mutation und somit auch ‚nur' 10 Generationen von
den spanischen Ursprungsvögeln entfernt.
Vom Anfang an wollte ich eine möglichst breite Basis erhalten und setzte
weitere 4 Weibchen in schwarz opal ein, davon 2 in schimmel und 2 in mosaik.
Jeweils eines der Weibchen hatte für einen Schauvogel in opal die geforderte
Melaninzeichnung, das andere zeigte gerade im Flächenmelanin eine zu starke
Ausprägung, so daß die gesamte Rückenpartie wie "verschmiert"
wirkte. Durch diese Unterschiede sollte gleichzeitig getestet werden, welche
Formen am besten geeignet sind, die onyx-Zucht zu verbessern und gleichzeitig
eine "Blutsauffrischung" vornehmen. Über die Ergebnisse wird weiter
unten noch berichtet.
Ganz zu Anfang waren die verwegensten und widersprüchlichsten Aussagen über
das gewünschte Aussehen und das sichere Erkennen reinerbiger Tiere im Umlauf.
Es fiel deshalb nicht gerade leicht, Licht ins Geschehen zu bringen. Die
Abgrenzung von intermediären und reinen onyx scheint auch heute noch
manchem ein Problem zu bereiten, denn noch 2001 sah ich auf einer AZ-Landesschau
im Süden intermediäre, die als onyx anerkannt und mit Ehrentiteln bedacht
wurden. Auch gibt es eine kleine Anzahl von Leuten, die den intermediären
unbedingt als Schauvogel anerkannt sehen wollen. Ein solcher Gedanke widerstrebt
mir zutiefst. Eine Zucht, die mit der Hilfe einer Bewertung gelenkt werden will,
darf nicht eine klare und eindeutig definierte Spalterbigkeit als Bewertungs-
und damit Zuchtziel anstreben. Alleine schon die hohe naturgegebene
Variabilität eines Spalterbigen (oder hier intermediären) läßt die
gerichtete Zucht, die zu voraussehbaren Bewertungsergebnissen führt, unmöglich
erscheinen. Das war ja auch wohl einer der Gründe, beim Farbenkanarienvogel den
Schecken als Bewertungsvogel auszuschließen. Auch andere Sparten haben sich von
solcherlei Formen (Zwischenformen) getrennt. Wir sollten als Kanarienzüchter
hier nicht ausscheren.
Auch ich tat mich im ersten Jahr sehr schwer. Alles was landauf und landab
vorgestellt wurde, war als intermediärer Vogel anzusprechen, ein echter
Vergleich zwischen intermediären und reinen Vögeln war somit unmöglich. In
der eigenen Zucht kam erschwerend für mich im ersten Jahr hinzu, daß selbst
bei der großen Nachkommenzahl von 42 (!!) Jungvögeln von den insgesamt 5
Weibchen nicht ein einziger Vogel in opal dazwischen war. Dies aber hätte
zumindest in geringer Stückzahl (theoretisch sogar 50 %) aus den opal-Weibchen
auftreten müssen. Erst im gesamten Mittel, über die nächsten Zuchtjahre, sind
die prozentualen Ergebnisse den erwarteten ähnlich geworden.
Was konnte ich in den vergangenen Zuchtjahren erfahren? Onyx-Kanarien sind nach
wie vor hoch fruchtbar, zumindestens in meiner Zucht. In diesen 4 Zuchtjahren
wurden mehr als 160 Jungtiere groß, wobei jährlich nur zwischen 4 und 8
Weibchen zur Zucht eingesetzt waren. Ein Teil dieses Ergebnisses ist sicher auf
den breitgefächerten Aufbau meiner Zucht zurückzuführen. Die Zuchtvögel sind
untereinander nur sehr weitläufig verwandt.
Die sehr hohe Variabilität der Nachzucht meines ersten Zuchtjahres war aufgrund
der unterschiedlichen Opal-Weibchen zu erwarten und genau so gewollt. In den
darauffolgenden Jahren habe ich allerdings konsequent auf ein Maximum an Melanin
gezüchtet. Bereits im zweiten Jahr habe ich auch reinerbige schwarz gelbe
Vögel an reine onyx gepaart, um über spalterbige Tiere verfügen zu können
und somit wieder die Gefahr der Inzucht zu verkleinern. In jedem Jahr ist die
Zahl der eingesetzten intermediären Vögel reduziert worden, wobei ich nicht
ganz auf deren Einsatz verzichten möchte.
Die für mich besten Linien sind über die eingesetzten ‚verwaschenen'
opal-Weibchen entstanden. Dies war auch zu erwarten, denn dieses ‚verwaschene'
Melanin deutet auf eine hohe Menge eben dieses Melanins hin. Nur im ersten Jahr
waren ein paar intermediäre Vögel - ausnahmslos Männchen und als A-B-Typen zu
kennzeichnen, die eine feine Strichelung besaßen. Obwohl auch achat im Spiel
war, kann ich aufgrund anderer Fakten keinen Zusammenhang in dieser Richtung
erkennen. Diese Männchen haben bislang keine achatfarbene Nachzucht erbracht.
Dafür sind sicher spalterbige Männchen in achat mit einer sehr breiten und
groben Strichelung vorhanden.
Der Intensiv-Faktor macht zwar auch die Zeichnung etwas schmaler, aber sie ist
auch heute noch lange nicht so schmal wie die oben beschriebenen intermediären
Vögel und allemal noch breiter als beim klassischen schwarzen Vogel.
Schwarze Hornteile, wie wir sie von den klassischen schwarzen kennen, sind
jedoch ohne Hilfsmittel nicht zu erreichen. Bei normaler (sprich: naturnaher)
Fütterung und Haltung sind die Hornteile im Höchstfall dunkelgrau bis hell
anthrazit. Die teilweise gesehenen schwarzen Hornteile sind m. E. nur auf ein
(zu?) hohes Maß an Zusatzfütterung zurückzuführen. Bislang habe ich selbst
auf alles bewußt verzichtet, was die Nachzuchtergebnisse verfälschen
("verschönern") könnte, weil ich mir nicht die Möglichkeit einer
sinnvollen Selektion nehmen wollte. Wenn die gewünschten Ergebnisse demnach nur
über zusätzliche Fütterung zu erreichen ist, sollte man vielleicht darauf
verzichten. Zumindest sollte die Anforderung zu ‚so dunkel wie möglichen
Hornteilen' zur Zeit nicht überbewertet werden.
Noch eine interessante Entdeckung konnte ich in den letzten Jahren machen, eine
Sache, die sich auf die Veränderbarkeit der einzelnen Vögel bezieht.
Beim onyx gibt es einen großen Wandel in seinem Leben, dessen erste Stufe nach
der Jugendmauser einsetzt. Nach Abschluß der Mauser dunkeln reine onyx nach,
sie nehmen an ‚Ruß' zu. Genau wie älter werdende Tiere, auch sie werden von
Jahr zu Jahr etwas dunkler. Bei den intermediären ist dies anders: sie bleichen
im Alter förmlich aus. Von Jahr zu Jahr werden sie heller und sind nach 4 - 5
Jahren schon ‚fast' so hell wie ein opal Kanarienvogel.
Für die praktische Zucht kann man sowohl opal als auch klassische schwarze zur
Verbesserung und zur ‚Blutauffrischung' hereinnehmen. Sie sollten auf jeden
Fall aber eine sehr hohe Menge an Flächenmelanin besitzen (was in den
Farbschlägen selbst jedoch unerwünscht ist). Es bringt auf lange Sicht Sinn,
sowohl mit intermediären als auch mit einfachen spalterbigen Tieren
weiterzuarbeiten. Jedoch ist jede Verpaarung so auszurichten, daß die
Nachkommenschaft eindeutig aufgrund ihres Sichtbildes einem Erbbild zuzuordnen
ist. Nicht sinnvoll ist die Verpaarung von spalterbigen mit intermediären
Tieren. Hier entstehen Nachkommen in ‚klassischem' Melanin, die entweder in
opal oder in onyx spalterbig sein können. Diese jedoch sind aufgrund ihrer
unklaren Veranlagung für die Weiterzucht nicht zu empfehlen oder müssen zuerst
über eine Testverpaarung identifiziert werden.
|
Mögliche Verpaarungen |
onyx x onyx |
|
onyx x spalterbig |
onyx onyx x intermediär |
|
und bedingt tauglich folgende Verpaarungen |
|
|
onyx x schwarz (klassisch) |
onyx x opal |
Bleibt zum Abschluß noch offen, auf eine oft geäußerte Vermutung
einzugehen. Der onyx-Faktor wird oft mit einer Zunahme der Strichelung auf der
Körperunterseite in Verbindung gebracht. Ich denke nicht, daß es sich um eine
‚Neubildung' handelt, sondern eher, daß durch die Melaninänderung nun auf
einmal Zeichnung hervortritt, die bei den übrigen Farben durch zuwenig Kontrast
bislang verdeckt war. Ein Hinweis hierauf ist schon zu erhalten, wenn man sich
Jungvögel der melaninreihe im Nestlingsgefieder anschaut. Schon dort ist diese
stärkere Ausweitung der Zeichnung zu erkennen. Nur wächst sie sich bei den
klassischen Melaninkanarien anscheinend wieder aus.
Betrachten wir den onyx in der Runde der Farbenkanarien, so denke ich schon,
daß er seinen festen Platz einnehmen wird und sicher eine gewaltige Entwicklung
durchlaufen wird. Dies war leider nicht bei allen Mutanten der letzten
Jahrzehnte zu sehen. Die geringen Zahlen ausgestellter Vögel sprechen hier für
sich. Hoffen wir nur, daß wir die hohe Vitalität erhalten können. Allerdings
wird von allen möglichen Formen der onyx der Schwarzreihe derjenige mit den
markanteren Merkmalen bleiben. Eventuell könnte auch der onyx in achat noch
eine Chance besitzen. Hier sind jedoch die Züchter dieser Varietät aufgerufen,
ihre Zuchtergebnisse auch öffentlich zu zeigen. Die Anzahl bisher ausgestellter
onyx in achat jedoch zeigt, daß kein allzu großes Interesse - von ganz
vereinzelten Züchtern abgesehen - besteht.
Braune onyx hingegen halte ich für einen Widerspruch in sich und denke, daß
man auf Dauer auf ihre geförderte Weiterzucht verzichten sollte.